Einige Mondkrater vom 18.04.2013

Am 18.04.2013 hatte ich etwas mit der afokalen Fotografie herumexperimentiert. Das ist verallgemeinert ausgedrückt das Aufnehmen von Bildern durch das Okular des Teleskops, wobei von der Kamera selbst das Objektiv entfernt ist.
Zwar hat diese Methode den Nachteil, dass die Bilder etwas unschärfer werden und einen leichten Farbsaum aufweisen, allerdings lässt sich hierbei die Vergrößerung beeinflussen, indem man die Kamera näher oder weiter entfernt vor dem Okular befestigt.

 

Wohl auch ein sehr bekannter Krater

Jedenfalls konnte ich so z.B. den Krater Archimedes, der zusammen mit Autolycus und einigen anderen Kratern eine interessante Formation bildet. Archimedes ist mit 83km einer der etwas größeren Krater aus dem Zeitalter vor etwa 3,5 Mrd. Jahren. Daneben Aristillus und Autolycus, wodurch diese Formation im Mare Imbrium leicht zu finden ist. In dieser Region „landete“ auch die erste Sonde erfolgreich auf dem Mond.

 

Die Landestelle der ersten Sonde, die den Mond erreicht hat.

Lunik 2 heißt sie und schlug am 13.09.1959 auf dem Mond auf. Sie war die zweite russische Sond – und die erste überhaupt auf dem Mond. Diesen Punkt habe ich auf einem extra Bild markiert. Er liegt relativ genau zwischen Archimedes und Autolycus.

 

 

 

Ein interessant aussender Krater

Ganz in der Nähe findet man außerdem auch den Krater Cassini. Dieser ist zwar mit 58 km Durchmesser kleiner als Archimedes, durch die beiden Krater im inneren wirkt er jedoch etwas „hübscher“ als Archimedes. In der Nähe ist ebenfalls ein Berg, der Mons Piton, und etwa 2,25km hoch. Das ist zwar keine gigantische Höhe, aber da er im ansonsten relativen flachen Mare Imbrium liegt, ist er eine sehr markante geografische Eigenschaft.

Mein Blick wandte sich dann später weiter nach „unten“. Auf der Südseite des Mondes findet man, vorallem in der Südpolregion, sehr viele Krater.

 

Wohl der größte Krater meiner Beobachtung

Allgemein wirkt das Gebiet dort extrem zerklüftet. Einer der größten Impaktkrater ist dort Maginus mit 164km Durchmesser. Er ist gleichzeitig auch schon ein sehr alter Krater aus dem pre-nectarianischen Zeitalter vor 3,92 Mrd. bis 4,55 Mrd. Jahre. Ein wenig oberhalb, jedoch zu diesem Zeitpunkt noch im Schatten, findet man den bekannten Tycho-Krater.

 

Das südliche Ende des Mondes

Außerdem findet man im südlichen Hochland auch Krater wie Moretus mit 114 km Durchmesser (ca. 3,2 bis 1,1 Mrd. Jahre alt, Eratosthenianisches Zeitalter) und unzählige andere Krater, teils etwas jüngeren Alters.

 

 

 

Wohl ein äußerst interessanter Name für einen KraterInteressant finde ich im südlichen Bereich vorallem die Namen. Walther oder Werner sind ja doch etwas merkwürdige Namen für Krater, im Gegensatz zu den bisher gezeigten, meiner Meinung nach wohlklingenderen, Kratern. Walther jedenfalls ist eigentlich auch schon ein Gigant mit seinen 141 Kilometern Durchmesser. Werner ist somit wohl der kleine Bruder. Er ist nur etwas halb so groß. Der Krater „Kaiser“ ist hier ebenfalls zu sehen. So groß der Name auch klingt: Mit 53 km ist er dann doch kleiner als diese Krater mit eher plumpen Namen.

 

Zuguterletzt begeben wir uns dann wieder etwas weiter in die nördlichen Gefilde. Die Namen klingen hier schon wieder etwas besser. Man merkt jedoch, dass auch die nördliche Region von vielen Kratern geprägt ist, wenn auch wesentlich weniger als die südliche Region.

 

Das nördliche Ende.

Die Krater tragen hier Namen wie Goldschmidt oder Meton. Goldschmidt hat im übrigen einen Durchmesser von auch immerhin 120 km. Der größte Krater auf dem Bild ist jedoch W Bond mit 159 km Durchmesser und einem Alter von etwas über 4 Mrd. Jahren. Möglicherweise entstand er kurz nach der Entstehung des Mondes selbst.

 

 

Die Kraterübersäte Südregion

Desiandres, nahe des Kraters mit jenem tollen Namen Walther (auch wenn ich jetzt doch wieder in den Süden abrutsche) ist ein gutes Beispiel dafür, wie groß Krater werden können. Mit seinem 235 km Durchmesser ist er wirklich gigantisch. Würde der Krater in Deutschland liegen, so würde sich sein Krater von Hannover bis nach Berlin erstrecken. Und mittendrin die Hölle: Der Krater Hell mit immernoch 33 km Durchmesser, was der Strecke Hannover-Celle entspräche.

 

Auch eine interessante Formation

Und zuguterletzt noch eine schöne Formation um den Krater Hipparchus, der es auch auf 155 km Durchmesser bringt und ebenfalls aus der Entstehungszeit des Mondes stammt. Horrocks in seinem Inneren misst „nur“ 30km und ist auch wesentlich jünger. Dessen Alter liegt vermutlich irgendwo zwischen einer und drei Milliarden Jahren. Die Umgebung besitzt noch einige weitere deutliche Krater wie z.B. Agrippa oder Godin mit 46, bzw. 35km Durchmesser. Während Agrippa so alt wie Horrocks ist, ist Godin sehr jung und vermutlich jünger als 1 Mrd. Jahre.

Und für die ganz interessierten zuguterletzt noch einige Aufnahmedaten zum Mond selbst:

  • Beobachtungsdatum: 18.04.2013, ca. 22 Uhr
  • Entfernung Mond: 394870 km
  • Scheinbarer Durchmesser: 30.26 Bogenminuten
  • Colongitude: 8,6°
  • Phase: 86,5°
  • Lunation: 8,5 Tage
  • Beleuchtung: 53%
  • Liberation Breite: 7° 10′
  • Liberation Länge: -5° 16′
  • Azimut: 220° 50′
  • Höhe: 49° 08′

Teleskopdaten:

  • ICS Galaxy Dobson 10″ 250/1250mm
  • ToUCam 740K afokal an 20mm Erfle und 9mm Plössl
  • Bilder ausgerichtet und gestacked mit Avistack2, geschärft mit Fitswork

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