Sonne am 24.06.2013

Nachdem am Wochenende zuvor endlich meine Sonnenfilterfolie kam, konnte ich mir einen entsprechenden Aufsatz für meinen 10″ Newton bauen. Leider spielte das Wetter da jedoch schon nicht mehr wirklich mit. Statt Sonne gabe es Wolken.  Alles passte also wieder wunderbar zueinander. Nachdem man tagelang durch zu viel Sonne kochte, durfte man sich nun wieder mit fast arktischen Temperaturen herumschlagen und einem Himmel, der in seiner Gräulichkeit selbst die Stahlbetonwohnblöcke der ehemaligen DDR übertraf.

 

Am Montag jedoch, es war gegen Mittag, traute ich meinen Augen kaum. Es wurde heller. Und zwischen all dem monotonen Grau zeigten sich einige blaue Löcher. Eines war dann sogar doch so groß, dass ich genug Zeit hatte, mein Teleskop kurz nach draußen zu schleppen und Filter und Kamera aufzusetzen. Und so bot sich dann doch für einen kurzen Augenblick ein Bild, auf das ich schon lange gewartet hatte.

 

Sonne_20130624_1217_03_4Auf der rechten Seite der Sonne zeigte sich eine schöne Guppe von einigen Sonnenflecken, weiter am Rand noch einige weitere Flecken unterschiedlicher Größe. Zwar haben wir dieses Jahr ein Maximum an Sonnenaktivität, doch lässt das unsere Sonne dieses Jahr eher kalt. Aber nichtsdestotrotz fanden sich auch im östlichen Bereich der Sonne noch ein paar Fleckchen. Es zogen dabei jedoch oft dünnere Wölkchen vorbei, sodass die Gesamthelligkeit stark schwankte. Auch war der Wind recht stark, was zu eher ruckeligen Aufnahmen führte. Dank allerdings nur 1/1000s bis 1/5000s Belichtungszeit waren die Aufnahmen trotzdem scharf und man konnte brauchbare Ergebnisse daraus erzielen.

 

Sonne_20130624_1218_56_pp_2Die zweite Aufnahme stammt jedoch aus insgesamt vier gestackten Einzelbildern. Abhängig der Verwendungsrate an Frames, die man für das Summenbild, bzw. Durchschnittsbild verwendet hat man meist entweder mit Rauschen oder mit Unschärfe zu kämpfen. Die Sonne zeigte sich ja auch nur für ein paar Minuten. So konnte ich nicht viel Videomaterial sammeln um die besten Videos herauszukramen. Also machte ich einmal eine Bearbeitung mit relativ wenig Frames, die auch direkt in Avistack gestackt und Wavelet-Geschärft wurde und zum anderen machte ich noch eine Aufnahme mit eher vielen Frames, die ich jedoch anschließend in Fitswork via iteratives Gauss-Schärfen bearbeitete. Die beiden Bilder wurden danach überlagert. Insgesamt vier Bilder wurden es daher, weil ich zwei Bildausschnitte zusammenfügte.

 

Für die ganz Interessierten hier noch kurz eine Zusammenfassung, wie die Bilder genau entstanden:

Zuerst möchte ich jedoch wieder folgenden Warnhinweis aussprechen: Unter keinen Umständen ohne geeignete Schutzmaßnahmen direkt in die Sonne schauen! Schon gar nicht durch ein Teleskop oder Fernglas. Dies führt unweigerlich zu unheilbaren Augenschäden bis vollständiger Blindheit bevor man überhaupt etwas merkt und die Augen schließen kann! Man sollte auch keine Filter kaufen, die man vor das Okular schraubt. Das Sonnenlicht muss vor dem Teleskop gefiltert werden. Okularfilter können platzen/schmelzen – woraufhin wieder das Sonnenlicht in voller Intensität ins Auge gelangt. Selbst wenn die Filter im Okularauszug halten, kann man sich damit schnell die Teleskopoptik ruinieren.

 

sofifo2Ich für meine Zwecke hatte mir daher die Baader Sonnenfilterfolie ND 5 gekauft, die nur 1/100.000 des Sonnenlichtes durchlässt (also 99,999% wegfiltert). Wichtig ist dabei, dass die Folie nicht nur im sichtbaren Bereich des Lichtes filtert, sondern auch im UV- und IR-Bereich. Dort filtert diese Sonnenfilterfolie nahezu alles weg. Man kann also gefahrenlos auch über längere Zeit die Sonne beobachten, ohne dass es zu irgendwelchen Augenschäden kommt. Die Folie selbst ist sehr dünn, aber auch sehr reißfest. Durch ihre äußerst geringe Dicke bleibt das Bild auch bei Vergrößerungen jenseits der 100x scharf. Die Folie muss dabei – und sollte es auch (!) – nicht straff gespannt sein, sondern kann so eingefasst werden, wie sie zum liegen kommt. Die Bildqualität leidet unter den leichten „Wellen“ absolut nicht.

Über meine Umgebaute und auf die Firmware der SPC 900NC geflashte ToUCam 740K kann man dann im Okularauszug fokal über einen Laptop mit der Software wxAstroCapture und wcCtrl wunderbare Videoaufnahmen machen. Diese werden Anschließend in der Software Avistack 2 weiterbearbeitet. Die Software richtet die Einzelbilder deckungsgleich aus und sucht sich die besten Einzelframes heraus. Nach anschließender Qualitätsanalyse werden dann die Bilder überlagert, was die Luftunruhe (Seeing) nahezu ausschaltet und sehr scharfe Bilder als Ergebnis hat. Über Wavelet-Filter kann man diese Ergebnisse dann direkt in Avistack nachschärfen oder man überlässt diesen Teil der Arbeit dem Programm Fitswork, was sehr nützlichene Funktionen hat, wie z.B. das schon erwähnte iterative Gauss-Schärfen. Somit kann man dann auch das letzte Bisschen Detail aus den Bildern herausholen.

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